Abetalipoproteinämie, Hypobetalipoproteinämie und Anderson´sche Erkrankung

 

Die Abetalipoproteinämie ist eine autosomal-rezessive Erkrankung, bei der VLDL und LDL praktisch vollständig fehlen. Betroffene leiden oft bereits als Kinder an Fett-Malabsorption und Akanthozytose. Weitere klinische Manifestationen sind spinozerebellären Ataxie, periphere Neuropathie, Retinitis pigmentosa und Myopathie. Die Symptome sind Folge der Malabsorption und des gestörten Transports fettlöslicher Vitamine im Blut. In einigen Familien wurden Defekte des Gens für das mikrosomale Triglycerid-Transferprotein (MTP) als Ursache identifiziert. Das MTP wirkt an der Komplexierung von Apo B mit Triglyzeriden mit und hat damit eine entscheidende Rolle bei der Assemblierung von VLDL.

Im Gegensatz zu Abetalipoproteinämie wird die Hypobetalipoproteinemia 10 autosomal kodominant übertragen. LDL-C und Apo B sind bei Heterozygotzen auf etwa ein Viertel vermindert; sie haben niedrige Cholesterinkonzentrationen, aber oft wenig Symptome (Bauchschmerzen, Akanthozytose, Neuropathie). Steatosis hepatis ist häufig, aber nicht obligat. Im homozygoten Zustand ist die Erkrankung klinisch nicht von der Abetalipoproteinämie zu unterscheiden. In den meisten Fällen ist eine Mutation des Gens für Apo B die Ursache, die zur Synthese verkürzter Formen des Proteins mit verminderter Bindungsfähigkeit für Lipide führt. Wahrscheinlich sind die Patienten vor Herz- und Kreislauferkrankungen geschützt.

Bei der rezessiven Hypobetalipoproteinämie (chylomikron retention disease, Anderson's disease) kommt es zur Fettmalabsorption infolge verminderter Freisetzung von Chylomikronen aus der intestinalen Mukosa; die Produktion der LDL in der Leber ist nicht gestört.

Differentialdiagnostisch sollte bei niedrigem LDL-C außerdem bedacht werden: Homozygotie für Apo E2, vegetarische Ernährung, hohe Dosen von Statinen, Malabsorption, manifeste Hyperthyreose. Loss of function Mutationen der PCSK9 erniedrigen das LDL-C um bis zu 40 Prozent und schützen erwartungsgemäß vor koronarer Herzkrankheit.11, 12

Die Behandlung der Hypo- und Abetalipoproteinämien besteht in fettreduzierter Ernährung und Substitution fettlöslicher Vitamine.

 

Autor:

Prof. Winfried März