Familiäre Chylomikronämie

 

Die Chylomikronämie ist eine seltene, autosomal-rezessiv vererbte Störung im Abbau der triglyceridreichen Lipoproteine. Im Nüchternplasma der Patienten findet man CM, die Triglyzeride sind erhöht (Typ I HLP). Die Konzentration der VLDL ist normal oder leicht erhöht. Meist wird die Diagnose im Kindesalter aufgrund rezidivierender Pankreatitiden, eruptiver Xanthome (Abbildung 2), Hepatosplenomegalie und einer Lipaemia retinalis gestellt. Ursachen sind Mutationen der Lipoprotein-Lipase, des Apolipoprotein CII (Kofaktor der Lipoprotein-Lipase),17, des GPIHBP1 (Glycosylphosphatidylinositol-anchored high density lipoprotein-binding protein 1) 18 oder des Apo A5. GPIHBP1 ist ausschließlich in Endothelzellen der Kapillaren exprimiert. Es bindet Lipoprotein-Lipase (LPL) und wirkt am Transport der LPL aus Muskel- bzw. Fettzellen zur luminalen Oberfläche des Endothels mit.
Heterozygote Träger von Mutationen der LPL haben verminderte Enzymaktivitäten, leicht erhöhte Triglyzeride und kleinere, dichtere LDL-Partikel. Bei heterozygoten Trägern eines defekten Apo CII ist dessen Konzentration im Plasma zwar vermindert, die Triglyzeride sind aber meist normal.
Lipaseaktivitäten im Blut werden 10 und 20 min nach Injektion von Heparin (100 U pro kg Körpergewicht) bestimmt. Die Therapie ist diätetisch; man setzt Triglyzeride mit mittelkettigen (MCT) Fettsäuren ein, die nicht in die CM inkorporiert werden. Bei akutem Chylomikronämiesyndrom: absolute Nahrungskarenz, hypokalorische Infusionstherapie, Ausschalten der Auslöser (Alkohol, Östrogene, Thiazide, Diabetes mellitus, Hypothyreose). 5000 IE Heparin pro 12 h. Plasmaaustausch. Bei ApoCII-defizienz führt die Transfusion von normalem Plasma (enthält ausreichend Apo CII) führt zum prompten Abfall der Triglyzeride. Eine Gentherapie zur Substitution der LPL befindet in der Erprobung.

 

Autor:

Prof. Winfried März