Typ III Hyperlipoproteinämie

 

Die Typ III HLP ist selten, wird aber noch seltener als solche erkannt. Klinisches Charakteristikum sind Xanthome der Handlinien, wie sie bei praktisch keiner anderen Form der HLP vorkommen. Bei der familiären Typ III HLP akkumulieren die remnants der triglyzeridreichen Lipoproteine im Plasma. Sie stammen aus dem inkompletten Abbau der CM und VLDL. Cholesterin und Triglyzeride sind auf Konzentrationen zwischen 300 und 600 mg/dl (3.4 und 6.8 mmol/l) erhöht. Das LDL-C ist typischerweise niedrig, da die Umwandlung von VLDL zu LDL vermindert und der LDL-Rezeptor stimuliert ist. Die Störung manifestiert sich meist erst nach dem 20. Lebensjahr. Man findet Hautveränderungen wie Handlinienxanthome, tuberöse oder tuberoeruptive Xanthome. Patienten mit familiärer Dysbetalipoproteinämie haben ein stark erhöhtes Atheroskleroserisiko. Im eigenen Krankengut hatten etwa zwei Drittel der Patienten mit Typ III HLP zum Zeitpunkt der Diagnosestellung ausgedehnte atherosklerotische Veränderungen,16 nicht nur in Form einer koronaren Herzkrankheit, sondern auch als periphere arterielle Verschlußkrankheit oder cerebrovaskuläre Insuffizienz.

Wir diagnostizieren eine Typ III HLP, wenn sowohl Cholesterin und Triglyzeride erhöht sind und die VLDL eine pathologisch veränderte Zusammensetzung aufweisen (Verhältnis von Cholesterin zu Triglyzeriden über 0.45 nach Ultrazentrifugation), wenn das Verhältnis von VLDL-Cholesterin zu Plasmatriglyzeriden über 0.3 beträgt und/oder in der Lipoproteinelektrophorese eine breite ß-Bande nachweisbar ist.
Bei mehr als 90 Prozent aller Patienten ist der Apo E-Phäno- bzw. Genotyp 2/2. Andere Phäno- oder Genotypen schließen eine Typ III HLP aber nicht aus. In diesen Fällen findet man oft dominant vererbte Formen der Typ III HLP. 16 Die Häufigkeit des Apo E-Phänotyps 2/2 ist etwa 1:100. Höchstens jeder zwanzigste Apo E2/2-Homozygote entwickelt aber Typ III HLP, so daß die Typ III HLP in der Bevölkerung mit einer Frequenz von etwa 1:2000 angetroffen wird. Nachdem nur ein Teil der homozygoten Träger des E2 tatsächlich erkrankt, muss es zusätzliche krankheitsauslösende Faktoren endogener oder exogener Art geben (Alter, Adipositas, Insulinresistenz, Überproduktion triglyceridreicher Lipoproteine, Hypothyreose).
Patienten mit rezessiver Typ III HLP sprechen meist sehr gut auf lipidmodifizierte Diät und ggf. Gewichtsreduktion an. Bei der Behandlung ist es wichtig, prädisponierende Faktoren wie Diabetes mellitus, Hypothyreose oder Adipositas zu beseitigen. Wird eine Pharmakotherapie nötig, bedient sich in erster Linie der Fibrate und Nikotinsäurederivate. HMG-CoA-Reduktasehemmer können versucht werden, aber auch zu paradoxen Anstiegen der Triglyzeride führen.

 

Autor:

Prof. Winfried März