August 2018

Vitamin D-Zusatz in Nahrungsmittel: Internationales Konsensus-Dokument veröffentlicht

 

Stefan Pilz


August 2018 – Vitamin D-Mangel ist in allen Bevölkerungsgruppen sehr häufig und kann neben Erkrankungen der Knochen und Muskulatur vermutlich auch zu vermehrten Infekten, Schwangerschaftskomplikationen und verkürzter Lebenserwartung führen. Diese wichtigen Wirkungen von Vitamin D lassen sich dadurch erklären, dass es – ähnlich wie Schilddrüsenhormone oder Sexualhormone – wie ein Steroidhormon im gesamten Körper wirkt und dort viele unserer Gene steuert. Vitamin D ist nur in geringen Mengen in der Nahrung (z.B. Fische) enthalten und wird hauptsächlich in der Haut durch eine chemische Reaktion gebildet, für welche jedoch die UV-B Strahlung der Sonne benötigt wird. Ein Lebensstil mit geringer Sonnenlichtexposition erklärt daher unter anderem die weite Verbreitung des Vitamin D-Mangels. Obwohl eine konsequente Vitamin D-Gabe bei Säuglingen zur Prävention der Rachitis weltweit empfohlen ist, sind die Massnahmen für eine ausreichende Vitamin D-Versorgung in anderen Bevölkerungsschichten bisher in den meisten Ländern nur unzureichend.


Eine systematische Vitamin D-Anreicherung von verschiedenen Lebensmitteln („Vitamin D food fortification“) wurde daher von einigen Ländern wie z.B. den USA, Canada und Finnland bereits eingeführt. Basierend auf neuesten Erkenntnissen zur Wirksamkeit und v.a. auch Sicherheit einer Vitamin D-Zufuhr haben Stefan Pilz von der Medizinischen Universität Graz und Winfried März, DACH-Gesellschaft Prävention von Herz-Kreislauferkrankungen, gemeinsam mit weltweit führenden Vitamin D-ForscherInnen, ein sogenanntes „Guidance Paper“ veröffentlicht.

In dieser Publikation werden die wissenschaftlich hinterlegten Gründe für eine Vitamin D-Anreicherung in der Nahrungsmittelindustrie dargelegt und es werden vor allem konkrete Vorschläge bzw. Szenarien für eine Umsetzung dieser gesundheitspolitischen Massnahme skizziert. Innerhalb der Europäischen Union hat Finnland bereits vor einigen Jahren begonnen, systematisch Milchprodukte mit Vitamin D anzureichern. Diese von der Politik initiierte Intervention war nicht nur sicher und gut akzeptiert, sondern führte auch dazu, dass es in der finnischen Bevölkerung nahezu keine Menschen mehr gibt, welche einen Vitamin D-Mangel mit Werten des 25-Hydroxyvitamin D unter 12 ng/mL (30 nmol/L) haben.


„In Ländern wie z.B. Österreich und Deutschland ist eine Vitamin D-Anreicherung in der Nahrungsmittelindustrie wie in Finnland eine notwendige und geeignete Maßnahme, um vielen Menschen die negativen gesundheitlichen Folgen eines Vitamin D-Mangels zu ersparen“ betont Pilz. „Länder wie z.B. die USA führen eine Vitamin D-Anreicherung in den Nahrungsmitteln nicht nur wegen der Verbesserung der Volksgesundheit durch, sondern auch, weil sich dadurch im Sinne der Kosteneffektivität Einsparungen im Gesundheitssystem ergeben“. „Das Ziel unserer Publikation ist es,“ so März, „eine Dokument zu haben, das bei der Einführung oder Verbesserung der Vitamin D-Anreicherung in der Nahrungsmittelindustrie als Richtschnur dient, wobei wir sehr hoffen, dass die dafür zuständige Politik gewillt ist, dies auch umzusetzen. Wir stehen dafür gerne unterstützend zur Verfügung!“.

 

Quelle: Rationale and Plan for Vitamin D Food Fortification: A Review and Guidance Paper.

Pilz S, März W, Cashman KD, Kiely ME, Whiting SJ, Holick MF, Grant WB, Pludowski P, Hiligsmann M, Trummer C, Schwetz V, Lerchbaum E, Pandis M, Tomaschitz A, Grübler MR, Gaksch M, Verheyen N, Hollis BW, Rejnmark L, Karras SN, Hahn A, Bischoff-Ferrari HA, Reichrath J, Jorde R, Elmadfa I, Vieth R, Scragg R, Calvo MS, van Schoor NM, Bouillon R, Lips P, Itkonen ST, Martineau AR, Lamberg-Allardt C, Zittermann A

Front Endocrinol (Lausanne). 2018 Jul 17;9:373.

www.frontiersin.org/articles/10.3389/fendo.2018.00373/full

 

 

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