Für Patienten

Warum tut hohes Cholesterin nicht weh?

Erhöhte Cholesterinwerte können dazu beitragen, dass Gefäßverkalkungen (Arteriosklerose) entstehen. Arteriosklerose wiederum ist ein Risikofaktor für die Entstehung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie z. B. der sogenannten „Schaufensterkrankheit“ (Durchblutungsstörung der Beine), der koronaren Herzkrankheit (Gefäßverkalkung in den Herzkranzgefäßen), Herzinfarkt oder Schlaganfall. Daher ist es wichtig, hohe Cholesterinwerte zu erkennen und zu senken – dadurch kann auch das Risiko für die Folgeerkrankungen gesenkt werden. In diesem Video erklärt Prof. Ulrich Laufs, warum man einen hohen Cholesterinspiegel im Blut nicht spürt und er dadurch oft zu spät bemerkt wird. Prof. Laufs ist Direktor der Klinik und Poliklinik für Kardiologie am Universitätsklinikum Leipzig und im Vorstand der D•A•CH-Gesellschaft Prävention von Herz-Kreislauf-Erkrankungen aktiv.

Hohe Triglyceride – was tun?

Trigylceride (= Neutralfette) sind wichtige Bestandteile der Nahrung. Zum Vergleich: Wir nehmen täglich rund 100 bis 140 g Triglyzeride, aber nur 0,5 g Cholesterin mit der üblichen Nahrung auf. Die Triglyzeride werden im Blut transportiert. Sie sind wichtige Lieferanten von Energie, zum Beispiel für die Muskulatur, oder dienen der Speicherung von Energie im Fettegewebe. Die im Blut kreisenden Triglyzeride können im Labor heute leicht gemessen werden. Sind die Triglyceride im Blut erhöht, stellt das ein gesundheitliches Risiko dar. Was man bei erhöhten Trigylcerid-Werten tun kann, erklärt Prof. Ulrich Laufs, Direktor der Klinik und Poliklinik für Kardiologie am Universitätsklinikum Leipzig und im Vorstand der D•A•CH-Gesellschaft Prävention von Herz-Kreislauf-Erkrankungen aktiv.

Zum NachlesenLebensstilempfehlungen für Menschen mit Hypertriglyzeridämie

Immer wieder flammt in der Öffentlichkeit die Diskussion darüber auf, wie niedrig die Cholesterinwerte sein sollten, damit Herz und Gefäße gesund bleiben. Viele Ärzte kennen daher das Phänomen, dass die Compliance der Patienten sinkt, wenn Medien berichten, dass nur die Pharmaindustrie von gesenkten Cholesterinwerten profitiert. Zum großen Bedauern des Vorstandes der D•A•CH-Gesellschaft Prävention von Herz-Kreislauf-Erkrankungen wurde ein solcher einseitiger Bericht von der ARD, einem öffentlich-rechtlichen Sender, Anfang Juni dieses Jahres (2020) im Magazin PlusMinus ausgestrahlt. Thema der Sendung waren die neuen Zielwertempfehlungen für LDL-Cholesterin, die in den gemeinsamen Leitlinien der Europäischen Gesellschaften für Kardiologie (ESC) und Atherosklerose (EAS) festgehalten sind.

Zielwerte werden entsprechend des Risikos der betroffenen Menschen festgelegt

Änderungen der Leitlinien wie die Aufnahme oder Absenkung von Zielwerten, erfolgen grundsätzlich erst nach intensiven interdisziplinären Diskussionen mit Wissenschaftlern und nachdem sämtliche aktuelle Publikationen geprüft wurden. Medizin ist nicht schwarz und weiß, weshalb Vor- und Nachteile einer Behandlung stets sorgfältig gegeneinander abgewogen werden müssen. Die Sachlage ist auch bei der LDL-Cholesterinsenkung komplex.

Die Tatsache, dass LDL-Cholesterin ein kausaler Risikofaktor für die Atherosklerose und damit z. B. für das Herzinfarktrisiko ist, ist unumstritten. Wahrscheinlich gibt es kaum ein Gebiet bzw. Sachverhalt in der Medizin, dass seit 40 Jahren so gut beforscht und belegt ist. Es ist zudem belegt, dass eine Absenkung des LDL-Cholesterins durch Medikamente, das relative Risiko senkt. Das individuelle Risiko und damit auch der Nutzen für den Einzelnen hängt von seinem Risiko inkl. Begleiterkrankungen etc. ab. Deswegen werden Risiko-bezogene – und damit unterschiedliche – Zielwerte empfohlen.

Appell an die Betroffenen:

  • Falls Sie Fragen haben oder verunsichert sind, halten Sie Rücksprache mit Ihrem Arzt.
  • Bitte ändern Sie nicht ohne vorherige Rücksprache mit Ihrem behandelnden Arzt oder Kardiologen, Diabetologen, Nephrologen oder Lipidspezialisten Ihre Cholesterin-senkende Medikation.

Ein Absetzen dieser Medikation kann das Herzinfarktrisiko erhöhen (1, 2).

Prof. Dr. Winfried März
Prof. Dr. Ulrich Laufs
Prof. Dr. Dirk Müller-Wieland

Für den Vorstand der D•A•CH-Gesellschaft Prävention von Herz-Kreislauf-Erkrankungen e. V.

Quellen:

(1) Negative statin-related news stories decrease statin persistence and increase myocardial infarctionand cardiovascular mortality: a nationwide prospective cohort study. Nielsen SF, Nordestgaard BG. Eur Heart J. 2016 Mar 14;37(11):908-916. DOI: 10.1093/eurheartj/ehv641
(2) Cardiovascular effect of discontinuing statins for primary prevention at the age of 75 years: a nationwide population-based cohort study in France. Giral P, Neumann A, Weill A, Coste J. Eur Heart J. 2019 Nov 14;40(43):3516-3525. DOI: 10.1093/eurheartj/ehz458

Deutsche Patientenorganisation für Familiäre Hypercholesterinämie

Informationen und Kontakt
CholCo e.V.
Hoherodskopfstr. 30

60435 Frankfurt
Telefon: 069 / 95 42 59 45

E-Mail: michaela.wolf@cholco.de
oder info@cholco.de

Internet: www.cholco.org

Kinderbroschüre zu Familiärer Hypercholesterinämie

Da es bei Erbkrankheiten auch immer betroffene Kinder gibt, hat die Patientenorganisation CholCo e.V. eine Kinderbroschüre zum Thema Familiäre Hypercholesterinämie herausgegeben.

„Lena hat Familiäre Hypercholesterinämie“ vermittelt Kindern in altersgerechter, verständlicher Sprache und Aufmachung Wissen darüber, wie sie besser mit ihrer Erkrankung umgehen können. Im Mittelpunkt der Broschüre steht die kleine Lena: Sie nimmt die Kinder mit auf eine Reise durch ihren Körper, erklärt Cholesterin, FH sowie ihre Behandlung und gibt wertvolle Tipps. Kinder lernen durch die Broschüre, ihre Krankheit besser zu verstehen und erfahren, dass sie ein normales und aktives Leben führen können.

„Lena hat Familiäre Hypercholesterinämie“
www.cholco.org/allgemein/erste-kinderbroschuere-zu-familiaerer-hypercholesterinaemie/

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